Archive for November, 2007

Vorsicht Kamera

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Ich kanns schon riechen und förmlich vor meinem inneren Auge sehen -  ich bin fix und fertig vom Flug - “MAMII, was ist denn das da??” - reisst die Tür zur Sauna auf - “Hee, Tür zu!!” - ”Ich will aber nicht!!” - “Die Tür bleibt jetzt zu, Schatz, die Leute wollen da in der Wärme sitzen, weil das gesund ist” - macht die Tür wieder auf - “Hallo, ich bin der Soundso, ich wohne in der…” - ”TTÜÜÜÜÜRRE zu!!!!” - “Soundso, bleib jetzt mal bitte hier, wir wollen uns doch umziehen, damit wir zur Hochzeit können” - “Schau mal Mami, da ist ein Schwimmbad!! Ich will auch schwimmen gehen!” “Schatz, wir können jetzt nicht schwimmen gehen, weil wir doch zu der Hochzeit wollen” “Ich will aber nicht zu der blöden Hochzeit, ich will schwimmen gehn” - meine Frisur hat aufgrund der tropischen Temperaturen den Geist aufgegeben - Platsch - ”MMAAAAAMMMMAAAA, mein Schaf (das Kuscheltier) ist ins Wasser gefallen”

Ich bin ganz durch den Wind; heute nacht um drei Uhr ungrad müssen wir aufstehen und wenig später zum Flughafen fahren. Der Flug geht um sechs Uhr ungrad.

Wir fliegen mit Kind und Kegel zur Hochzeit einer meiner ältesten und liebsten Freundinnen. Das wird aufregend. Der Flug geht sehr früh, aber danach haben wir noch schön Zeit, mit den Kindern runter zu kommen, ein bisschen im Hotelzimmer zu hocken, uns aufzuhübschen etc.

Ich packe meine Koffer und nehme mit….

…nicht den grauen Anzug, den mein Mann gerne dabei hätte, denn der ist von oben  bis unten verfleckt. Was tun, der zweite verfügbare Anzug ist ziemlich offensichtlich ein Büroanzug - langweilig und wenig kleidsam, vor allem auf einer Hochzeit nicht.

Es gibt einen neuen Anzug, der ist schwarz, einfach und doch geschmacklos aber besser als alles andere. Einziger Fehler: wir haben ihn noch nicht kürzen lassen.

Wo krieg ich jetzt heute eine Schneiderei her, die mir den Anzug kürzt?

“Äh, hallo guten Tag, ich habe hier einen Anzug, den müsste man kürzen, weil wir heute Nacht zu einer Hochzeit fliegen” (es könnte mir an dieser Stelle egal sein, dass sich alle Angerufenen fragen, ob ich das nicht vorher gewusst haben könnte - ist es mir aber bedauerlicher Weise nicht, also erkläre ich die ganze Geschichte: “der Anzug, der eigentlich, und so weiter, ist schmutzig!” - “nee is klar, aber es geht heute leider nicht mehr!”)

Im rund 10 km entfernten Nachbarort gibt es eine Schneiderei, die sich bereit erklärt, ohne die Masse meines Mannes zu kennen, nur anhand des Beispiels von 2 passenden Hosen, diejenige, welche zu lang ist, zu kürzen. Heute noch.

Ich packe Sohn 2 ein, fahre los und stelle vor der mutmasslichen Tür der Schneiderei fest, dass ich das Corpus Delicti mitsamt den zwei Musterhosenlängen  zu Hause liegen gelassen habe - gaanz ruhig - ich fahre also zurück, packe die drei Hosen ein, fahre wieder zur Schneiderei und finde den Eingang nicht.

Ich laufe drei Stockwerke rauf, schaue jedes Klingelschild an und klingle schliesslich im obersten Stock beim Zahnarzt Lämmer und frage nach der Nähstube. “Im Haus nebenan” lautet die Antwort, ich bin in der falschen Hausnummer gelandet - ganz ruhig - runter, raus, rüber…

Endlich angekommen freuen wir uns alle, dass ich es nun endlich geschafft habe und schauen uns die Hosen an - die die es zu kürzen gilt und die beiden anderen.

88cm die eine, 88cm die andere und (na sowas) 88cm Beinlänge auch für die dritte Hose!!

Die Schneiderin vermisst von vorne, von hinten, von der Seite, mit Bund, ohne Bund, Beinlänge aussen, Beinlänge im Schritt - alle drei Hosen sind identisch.

Ganz ruhig - ich schwöre, ich habe gesehen, dass die neue Hose zu lang ist!! Deutlich zu lang!!!

Die Schneiderin ruft ihren Mann dazu, seines Zeichens ebenfalls Schneider. Er bekommt das Problem erläutert (die Hochzeit, der Anzug, zwei Hosen, die ihm passen, die dritte zu lang und so weiter)

Er greift beherzt zum Massband und misst - aussen, innen, oben, unten, mit Bund, ohne Bund, im Schritt - die Hosen sind alle gleich lang.

Irgendjemand meint es heute besonders gut mit mir.

Man(n) entscheidet sich, den Umschlag (oder heisst es Aufschlag?) (ich würde hinter beiden Begriffen etwas anderes vermuten) zu entfernen, weil der vielleicht dazu beigetragen hat, dass die Hose unschön auf dem Schuh aufliegt.

Nachdem mir ohnehin nichts anderes übrig bleibt, entscheide ich, dass diese Theorie einleuchtet und fahre einigermassen zufrieden nach Hause.

Auf dem Nachhauseweg telefoniere ich mit meiner Tante, erzähle ihr, was sich so zugetragen hat und auch von unserer kleinen Reise. “Ob denn das Hotel bereits morgens um 07.00 Uhr die Zimmer bereit stellt” will sie wissen. Ich bin davon überzeugt!

Wenn ich jedoch genauer darüber nachdenke, hat mein Mann das Zimmer gebucht…und so stellt sich heraus, dass die Ankunft um sieben Uhr ungrad sein wird, die Hochzeit um zwölf und das Zimmer ab vierzehn Uhr zur Verfügung steht.

Aber macht nichts, sagt die Dame an der Rezeption - sie können sich ja in unserer Sauna umziehen…

Weeeroooohhhniiiiikaaaaaaa

….der Jens ist da, die Mänschen singen trallala, Weeeroooohhniiiikaaaa der Jens ist da!

Ysabella Brave

… bin ich heute drüber gestolpert…

Auf gute Nachbarschaft…

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Heute war im Haus hinten (dort wo sich mal unser Garten befand) Richtfest.

Alle Nachbarn waren eingeladen, jeder der  hier etwa 2 - 3 Häuser nebenan oder gegenüber wohnt, ist mal durch den Rohbau geschlendert, hat eine Weisswurst oder zumindest eine Breze gekaut und dazu gabs Wasser, Bier oder ein Glässchen Sekt. 

Die Bauarbeiter tummelten sich und haben ein traditionelles Bierchen getrunken. Sie waren sichtlich stolz auf ihr Werk.

Ein wirklich schöner Brauch, auch für die, die im Laufe so eines Baus die Unannehmlichkeiten mit tragen müssen.

 Natürlich hat(te) niemand der Nachbarn so viele Unannehmlichkeiten wie wir,

(niemand von denen hing in der Wohnung fest, weil der Eingang so blockiert war, dass man nicht mehr rauskonnte, niemand von denen musste wochenlang mit Baby in der Babyschale und kleinem Jungen an der Hand über Berge von Bauschutt klettern, um ans Auto zu kommen, niemand von denen wurde so von Baufahrzeugen zugeparkt, dass er/sie nicht losfahren konnte, niemand von denen muss mehrmals in der Woche den Bauschutt zur Seite räumen, um an die Mülltonne zu kommen, niemand von denen hat stundenlang den vollgelaufenen Keller trockengelegt, der überhaupt nur voll gelaufen ist, weil der Gulli vom Baumüll verstopft wurde, niemand von denen hat ein stinkendes Pixi - Dixi - Klo vor der Haustür stehen, niemand von denen muss 1km weg vom Haus parken, weil die ganze Strasse voller Baufahrzeuge steht, niemand von denen hat ein in Panik kreischendes Kind, das sich in die hinterste Ecke verzieht, weil er solche Angst vor dem Lärm hat, niemand von denen hat verdammt noch mal seinen/ihren Garten für die Baustelle opfern müssen und somit hat auch niemand von den Nachbarn sein/ihr Kind trösten müssen, weil alle Bäume gefällt wurden, der Sandkasten den Baggern zum Opfer gefallen ist, man nie wieder eine Hängematte aufhängen kann und auch nie wieder Versteck spielen können wird, niemand von denen wohnt näher dran als wir)   -  aber WIR waren nicht eingeladen!!!

 

 

Vorher - nachher

Vorher

                                                          

Nachher

Streicheln

Gestern kam einer der Fensterbauer, um zu sehen, ob mit unseren kürzlich neu eingebauten Fenstern alles in Ordnung sei.

Beim letzten Mal als sie da waren, war Baby noch im Bauch.

 ”Das ist mein Bruder!”

“Wie heisst der denn?”

“Soundso!”

“Echt, das ist toll, so heisse ich auch!”

“Magst Du ihn mal streicheln? Darfst Du!!”

“Du, das ist lieb von Dir, aber ich habe ganz schmutzige Hände!”

hilfsbereit: “Wir haben im Bad ein Waschbecken, da kannst Du die Hände waschen und ihn dann streicheln!”

Der Fensterbauer lächelt, verabschiedet sich und will gehen

zieht den Mann ins Bad, LAUT; ”Schau, hier kannst Du Dir Deine Hände waschen!”

(hats gemacht und dann auch gestreichelt - tja, für faule Ausreden gibt es hier immer eine Lösung!)

Freunde sein

“Mami, ich hab Dich ja für immer lieb!”

“Ich Dich auch mein Schatz, für immer immer immer!”

“Aber wenn Du mal sauer auf mich bist, und ganz doll mit mir schimpfst, dann bin ich für eine Minute nicht mehr Dein Freund!”

*muss schmunzeln*

tätschelt mir den Arm - “aber nach der einen Minute hab ich Dich wieder lieb, gell!”

Gewonnen!!!

Ich höre von je her gerne Radio.

Manchmal, wenn ich mich mit meinen Freundinnen getroffen hatte, und wir aufgrund des Überangebotes an Dingen die wir hätten tun können, nicht wussten, was wir nun tun sollen, spielten wir “Radiogewinnspiel”

Unerlässliche Zutaten hierfür sind: ein Telefonbuch und ein Telefon, am  besten mit Lautsprecherfunktion.

In der Regel war ich der Moderator, (ich vermute, weil ich die Fähigkeit hatte, nicht gleich lauthals loszuplatzen) blätterte im Telefonbuch und tippte blind auf irgendeine Nummer. Diese Nummer musste ich dann anrufen. 

“Ja, halloooo guten Tag, hier ist Frauke Müller von Radio FGH auf UKW 93.1 ich grüsse Sie Herr Soundso!! Ganz recht herzlichen Glückwunsch, Sie sind auserwählt worden, heute an unserem Suppaduppagewinnspiel teilzunehmen und ein Überraschungspaket der Extraklasse zu gewinnen!!! Was sagen Sie jetzt dazu???”

(Stille am anderen Ende der Leitung)

(dann ein zögerliches “wer ist da?”)

“Hallo, hier ist Frauke Müller, von Radio FGH, und Sie dürfen jetzt live an unserem Gewinnspiel teilnehmen - hören Sie doch bestimmt auch immer im Radio, oder?”

(”nee, ähh, welcher Sender ist das?!”) oder (”ja na klar, kenn ich”)

“Super, Herr Soundso, um jetzt unser grosses Überraschungspaket zu gewinnen, dürfen Sie sich aussuchen, ob Sie lieber “Hoch auf dem gelben Wagen” oder “Horch, was kommt von draussen rein” singen möchten - die erste Strophe würde uns schon reichen, Herr Soundso - schaffen Sie doch, oder??”

(”wieee, was, hoch auf dem gelben Wagen? Nee, nee, nee, ich kann nicht singen!”)

“Doooch, na klar, Herr Soundso, das schaffen Sie, denken Sie an Ihren Gewinn und dann los!! Oder gibt es irgendein anderes Lied, das Sie gerne singen möchten?!”

(”ich möchte garnicht singen!”)

“Aber Sie wollen doch gewinnen, Herr Soundso, na klar, das schaffen Sie! Nur keine falsche Bescheidenheit!!”

(”ach meinen Sie wirklich?”)

“Na klar”

 (”und was ist alles in dem Paket drin?”)

gleich hab ich Dich, gleich hab ich Dich

“Eigentlich darf ich Ihnen das ja nicht sagen, aber WAS ich Ihnen verraten darf, ist dass es sich wirklich lohnt!”

(”Hm, räusper, meinen Sie wirklich, hm, na gut: Hoch auf dem gelben Wahageen, sitz ich beim Schwaageer vorn…..”)

alle Anwesenden lachen sich spätestens jetzt schlapp

“Danke, dass Sie mitgemacht haben, Herr Soundso, das Geschenk geht Ihnen in den kommenden Tagen zu!”

Ich würde das heute noch witzig finden!!

Im Himmel

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“Mama, welche Opas sind gestorben?”

“Mein Opa Rudolf und mein Opa Karl”

“Sind die jetzt im Himmel, bei den Sternen?”

“Mhm, ja”

“Haben die da Schuhe an?”

“Ähm, ich weiss es nicht, ich war ja noch nie da!”

“Die haben bestimmt Schuhe an - es ist ja jetzt Winter!”

St.Martin

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Ich kann mich erinnern, dass für mich als Kind der Laternenumzug, das St.Martinsfest immer eines der Highlights des Jahres war.

Der St.Martin war da, ein edler Held, ein wagemutiger Soldat, er sass hoch zu Roß (auf einem Schimmel nämlich) und hatte eine beeindruckende Ritterrüstung, ein glänzendes Schwert, bereit, gezückt zu werden und auf dem Haupte einen silbernen Helm.

Auf dem Rücken wehte stets erwartungsfroh der rote Umhang, der den armen Mann wärmen sollte. (mit weniger verklärtem Blick hätte ich vermutlich erkannt, dass der edle Held ein schmächtiger Jüngling aus dem Ort, die Ritterrüstung aus Plastik und der Umhang mit einem Reissverschluss versehen war und somit keines Schwertes bedurfte, davon abgesehen, dass so ein dünnes Stöffchen nie einen frierenden Menschen im Winter hätte wärmen können - aber das steht auf einem anderen Blatt)

Einmal war ich so krank, dass ich nicht zum Martinsumzug konnte. Ich war verzweifelt und weinte und schrie und protestierte stundenlang. Der Tag, nein mein Leben war für mich gelaufen.

Irgendwann am abend stand mein Vater in meinem Zimmer und hatte eine neue Stereoanlage für mich unterm Arm. Er war ganz stolz darauf, es war eine WEGA, “ein tolles, ganz besonderes Teil”, wie er mir immer wieder versicherte. Mein Vater hatte St.Martin als meinen Held abgelöst, vorbei die Tränen!

Ich weiss garnicht, was mit der Anlage passiert ist - den Plattenspieler habe ich  noch  immer. Häufig wurde ich schon gefragt, was ich mit diesem alten Ding noch wolle  - aber schon während der Frage taucht vor meinem inneren Auge für Sekundenbruchteile ein stolzer Held mit Stereoanlage unterm Arm auf, und wie er meine Tränen getrocknet hat.

“Das ist ein WEGA, von meinem Papa, zum St.Martin, ein ganz tolles, ganz besonderes Teil, der kommt nicht weg!”

Am Montag ists wieder soweit, da erscheint Martin, auf dem Roß und teilt seinen Mantel für den armen Bettler. Mein Sohn möchte die Martinsgeschichte derzeit jeden Tag und immer wieder erzählt bekommen.

Ich glaube, Martin könnte sein aktueller Held werden - ich freue mich, dass die Magie auch auf ihn übergesprungen ist.

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