
Wie es sein wird, wenn meine Lieben, meine Ursprungsfamilie nicht mehr da ist, mag ich mir garnicht vorstellen. Noch heute rufe ich manchmal bei meiner Oma an, wohlwissend, dass am anderen Ende im besten Fall “kein Anschluss unter dieser Nummer” zu hören sein wird. Ich wünschte so sehr, sie wüsste, dass sie nun noch ein Urenkelkind bekommen hat.
Nicht auszudenken, ich könnte meinen Vater nicht mehr anrufen, ihm nicht mehr erzählen, was wir hier so treiben, seine Stimme nicht mehr hören und nicht erfahren, wie es ihm geht. Sein Lachen nicht mehr erleben, nicht seinen Rat erfragen können, nie mehr Trost in seinen Armen oder Worten finden.
Undenkbar, ich hätte keine Mutter mehr - wir sind uns nicht unendlich nahe, aber sie ist meine Mutter, war immer ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt meines Lebens. Wie oft habe ich Fragen über meine Kindheit, wer soll sie mir beantworten? Eben mal nach einem Rezept fragen. Ich wünschte, wir könnten uns näher sein.
Unfassbar, meine Tante wäre nicht mehr auf der Welt. Kleine Nichtigkeiten des Lebens, mit wem soll ich sie austauschen, wir lachen so viel, sie nimmt so viel Anteil, sie hilft und steht mit Rat und Tat zur Seite. Ich möchte mir keine Situation meines Lebens vorstellen, an der sie oder mein Vater und meine Mutter nicht da sind, nicht mehr erleben, wie es mir oder meiner Familie ergeht.
Ich WILL nicht akzeptieren, dass es den Tag geben wird, irgendwann, an dem ich zwar zum Telefon greifen kann, aber niemand mehr antwortet, falls ich wider besseren Wissens wähle.
Und meine Kinder, ich sehe sie an und frage mich - was wird sein?
Wie werden sie sein, wie werden sie wachsen, sich entwickeln. Werden sie von Krankheit verschont bleiben, werden sie immer eine Mama und einen Papa haben, der ihnen zur Seite steht? Werden sie Omas und Opas haben, mit denen sie ein inniges Verhältnis verbindet. Werden sie sich als Brüder nahe stehen? Werden sie auf Menschen treffen, die es gut mit ihnen meinen? Werden sie immer Hilfe und Trost bekommen, wenn sie sie brauchen? Wird das Leben es gut mit ihnen meinen? Was steht ihnen bevor? Welche Berufe werden sie ergreifen? Werden sie Mann oder Frau lieben, werden sie Kinder haben? Habe ich ihnen alles mitgegeben, was sie brauchen werden, um ein glückliches Leben zu führen?
Werde ich die Antworten auf all meine Fragen erleben dürfen?
Manchmal habe ich das Gefühl, das Leben lebt über mich hinweg, ich bin nur eine Figur in einem Spiel, über das ich keine Kontrolle habe - so sehr ich mein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen versuche, die letzte grosse Entscheidung - um mich, und um mich herum wird doch nie von mir gefällt.