Weblog-Archiv für 10. Juli 2008|Tagesarchiv

Lagebericht und unvergessliche Momente…

sind diese…

Auf dem Fahrersitz zu sitzen, losfahren zu wollen, den Sicherheitsgurt zu sich zu ziehen und ihn dann gänzlich in der Hand zu halten, weil er aus der Wand gerissen ist.

Dem am Steuer sitzenden Mann dabei zu zu schauen, wie er die Handbremse zieht und diese kurze Zeit später ebenfalls gänzlich in der Hand hält.

Eine Schranktür im Wohnmobil, die den Geist aufgibt und den kompletten Nahrungsmittel – Behelfsutensilien freien Lauf (Fall) zur Entfaltung lässt.

Hupende Schwertransporter, die uns bei Tempo 45 am Berg in der Schweiz überholen und uns das ein oder andere Teil ihrer Hand zeigen.

In einem Zelt mit zwei kleinen Kindern zwischen 1500 gröhlenden, furzenden, kiffenden, saufenden, sich übergebenden, sich sonst wie erleichternden und zu guter Letzt zwischen den Zelten bengalische Feuer abfackelnden Holländern – nach dem Sieg gegen Italien.
Mit einem Wohnmobil, das raucht, irrtümlicher Weise in einem 12,5 km langen Tunnel zu stecken, weil man die Behelfsausfahrt verpasst hat. In einem Wohnmobil, das nicht mehr schneller als 50km/h fährt, LKWs die anfangen zu hupen.
Die Worte „Schall und Rauch“ bekommen eine völlig neue Bedeutung.
Ich verfasse mein Testament, schliesse mit meinem Leben ab, will bei meinen Kindern sein, schnalle mich ab, haste zwischen meinen Kindern und meinem Mann hin und her. Will allen dreien in diesen Sekunden nahe sein – bin sicher, es sind meine letzten Sekunden, trotz allem bin ich froh, diese mit meinen Liebsten zu verbringen.

Die Tante, die wie die Mutter ist, wird wenige Nächte später mit dem Notarzt in die Klinik gebracht, Verdacht auf Herzinfarkt, Intensivstation.

Zurück zum Gatten, einige beschauliche Tage. Ein Anruf.
Der Onkel, der Bruder seines Vaters gestern gestorben. Vor 6 Wochen die Schwester des Vaters, vor 14 Wochen eine andere Schwester des Vaters.
Fahrt ins 700km entfernte Frankreich.

Drei Geschwister liegen sich in den Armen, drei Geschwister, die in den vergangenen 4 Monaten 3 ihrer Geschwister verloren haben.
Ein Bild wie eingebrannt, wie sie sich halten, wie sich ansehen, was sie sich nichts sagen und trotzdem kann es jeder hören.
Die Kinder der Geschwister begrüssen sich, auch sie schauen sich an, Augen, die sich mit Tränen füllen, Augen, die schreien mögen, 8 „Kinder“, erwachsene Kinder, Cousins und Cousinen, sie alle haben das Gleiche erlebt, die Zeit steht still. Jeder weiss, es ist wie es ist und dennoch sind alle fassungslos.

2 Monate sind vergangen, wir sind wieder zurück von unserer Tour, die die EM 2008 und ihre Helfer begleitet hat. Wir haben tolle, spannende Menschen getroffen, die Schweiz und ihre Supermärkte (bzw. deren Inhalt) zu schätzen gelernt, viel erlebt und einiges zu verarbeiten mitgebracht.
Wir haben in den entscheidenden Momenten Glück gehabt, denn ohne dieses sässe ich jetzt vermutlich nicht hier und meine Kinder würden nicht im Wohnzimmer mit ihrem Vater ein Eis essen.

Wir sind als Familie nochmal ein Stück enger zusammen gerückt, das ist ein gutes Gefühl.

Es ist auch ein gutes Gefühl, wieder hier zu sein! Hallo beisammen!