Archiv für September 2008|Monatliche Archivseite
So gesehen..
Wenn man versucht, auf vielen Baustellen zu tanzen, es allen dabei Recht zu machen und alle Kraft darin investiert, dass alle immer zufrieden sind, dann kann es passieren, dass man sich selbst dabei aus den Augen verliert und am Ende die Rechnung dafür bezahlen muss.
Und wenn es „nur“ dadurch ist, dass man nirgendwo mehr ernst genommen wird, weil man ja eh nie so richtig da ist…
Frühstück
Wenn man eine sehr liebe Freundin hat, die regelmässig in den USA weilt, die einem dann zum Wiegenfeste „Maple Butter“ mitbringt, die wiederum so lecker schmeckt, dass man sich reinlegen möchte, dann fehlt eigentlich nur noch ein Stück vom selbstgebackenen, frischen Hefezopf und ein bisschen Butter, um das Frühstück perfekt zu machen!
Welch schöner Tag…
…war heute!
Die Kinderlein spielten auf dem Hoffest unseres nahe gelegenen Ökohofes im Stroh. Schauten beim Dreschen mit echten Dreschflegeln zu, fischten Korn aus den Halmen, melkten eine Holzkuh am Gummieuter, schauten der Mama zu, wie sie einen ORIGINAL Dackel der Olympischen Spiele 1972 aus Stroh und Draht bastelte (in Originaldackelgrösse) (der zugegebener Massen zuerst ein Mammut, dann eine Katze, später ein Krokodil, möglicher Weise ein Wiesel oder Ozelot und erst zu guter Letzt ein Dackel sein sollte…)
Es fühlt sich so gut an, wenn Kinder auf Erdhügeln ins Stroh rutschen, Pferde streicheln, Äpfel kauen, frische Kartoffeln mit Schale kosten (gekocht).
Wenn ihre Gesichtchen sich rot färben, die Augen blitzen, ihre Wangen (und auch der Rest) schmutzverkrustet sind, auf dem Nachhauseweg ein Gähnen nach dem anderen die aufgeregte Rekapitulation des Tages unterbricht, und kaum sehen sie das Bett, fallen sie rein und schlafen selig (toitoitoi).
Hach hach hach!
5 x 5
Danke, Frau Bonafilia hierfür!
Die 5 Interpreten
Herbert Grönemeyer, oh ich verehre ihn, ich liebe seine Musik, es gibt keine, die annähernd so bewegt
Joan Baez meine Göttin, meine Heldin, so lange ich denken kann! Unvergleichlich!
Eva Cassidy, traumhaft schöne Musik, traumhafte Stimme
Indigo Girls Nicht wegzudenken!
Maria Callas ohne Worte
Die 5 Alben
Herbert Grönemeyer Bleibt alles anders
Simon & Garfunkel Live at Central Park
Lauryn Hill The miseducation of Lauryn Hill
U2 Joshua Tree
Rolling Stones Stripped (gleichauf mit)
Pink Floyd The Wall
Die 5 Singles
Herbert Grönemeyer Ich dreh mich um Dich
Bryn Christopher The Quest
Mercedes Sosa Gracias a la vida
Whitney Houston My love is your love
Alice in Chains No excuses
Die 5 Konzerte
Herbert Grönemeyer (jedes einzelne)
Tina Turner
Indigo Girls
Genesis
Seeed
Die 5 Soundtracks
Philadelphia
Bodyguard
Thelma & Louise
Die Kinder des Monsieur Mathieu
Elisabeth
Ich bin so gut!
Dank Kira weiss ich es jetzt endgültig – ich bin der langweilige, uncoole, aber jederzeit zuverlässige Freund, ohne Eigenleben, an dem sich jeder die Nase abrotzt. Kommt alle her!
Figaro
Ich war heute bei Roland! („Nehmen Sie auch Kreditkarten?“ „Ich nehm alles Schätzchen, nur keine Krankenkassenkarte, haha“)
Roland hat mir Platz für mein mitgebrachtes Kind gerückt.
Roland hat mir liebevoll das Haar gewaschen, massiert und geknetet.
Roland hat mir eine Spülung vor dem Schneiden draufgetan, damit es nicht so ziept beim Kämmen.
Roland hatte wunderbares „plingplöng“ im Hintergrund, nebst zartem Räucherduft.
Roland hat mir das gute Aldi – Wasser angeboten – mit Zitrone, wenn ich gewollt hätte.
Roland musste mich nicht mit dummem Geschwätz zutexten, sondern hat sich ganz seiner Arbeit hingegeben.
Roland hat mir die Haare gesund geschnitten, will meinen, alle trockenen Enden ab.
Bedauerlicher Weise hatte Roland allerdings so ganz andere Vorstellungen davon, mit welcher Frisur mein Haar fortan durchs Leben geht – zum Abschied sagte er: „und ich finde es wirklich viel schöner, wenn die Haare vorne ein bisschen kurz sind…“ so dass meine liebevoll gleichlang wachsen gelassene Lockenpracht nun eine unschöne 80er Jahre Frisur ziert:“da kommen die Locken gleich vielmehr zur Geltung…“
Das Kind schrie, ich ging – aber nie wieder zu Roland!!
Harghrrrlgrrrarrrr
Mir ist gerade nach Schreien! Ich hätte grosse Lust, mich irgendwohin zu stellen und mal aus ganzer Kraft zu Brüllen.
Leider glaube ich nicht, dass dies funktionieren würde, ohne dass mich jemand
- für bescheuert hält
- glaubt, ich sei in Not
- die Polizei ruft
Ich habe keine Lust, mich in diesen Fällen zu erklären, also lass ichs lieber. (Darf man eigentlich öffentlich irgendwo schreien?)
Belle
Belle war anders. Irgendwie nicht wie die Kinder der Klasse.
Sie war laut, bewegte sich für ein Mädchen linkisch, nicht geschmeidig, wie ein Trampel. Belle war laut und vorlaut. Sie stellte Fragen, auf die die Klasse entweder kicherte, oder mit den Augen rollte, sich an den Kopf fasste und „ooooohhhh Gott!!“ raunte. Belle war intelligent und gut in der Schule, aber wem sollte das auffallen, denn für die Klasse hatte sie sowas wie den „Deppenstatus“ inne. Belle war nicht gekleidet wie die anderen, sie trug keine trendigen Frisuren. Belle konnte lustig sein, so dass man dachte, man würde sie mögen können. Und kaum hatte man zu Ende gedacht, war sie schon wieder so seltsam, dass man nicht wusste, was man mit ihr anfangen sollte. Belle war nicht angepasst, und dafür bekam sie ein langes Schulleben lang immer wieder verbale Prügel.
Aus der Sicht eines Erwachsenen hätte es vermutlich niemanden gewundert, wenn aus Belle ich weiss garnicht was geworden wäre, irgendetwas unspektakuläres, oder aber ein Wrack. Zurückgeblickt wäre es kein Wunder, wenn sie die Bösartigkeiten der anderen Kinder zu Grunde gerichtet hätten. Wenn sie ein Leben lang an sich zweifeln würde, stets schweigen würde und mit schweren Depressionen durch den Alltag wandeln müsste.
Ich habe sie gesehen und sie ist wun der schön – es ist wie dieses Märchen vom hässlichen Entlein – wenn sie je eines war, dann hat sie sich in einen stolzen Schwan verwandelt. Sie ist beruflich überaus erfolgreich und hat eine Lebensphilosophie gefunden, mit der sie dazu beitragen kann, dass es anderen Menschen besser geht, sie zu sich und inneren Frieden finden.
Wir anderen Kinder können dankbar sein, dass Belle so stark war, uns auszuhalten. Wir können froh sein, dass sie das Leben trotzdem so angenommen hat, sich allen Unannehmlichkeiten und uns gestellt hat. Wir haben nicht nachgedacht, wir haben unseren Gedanken und Gefühlen gnadenlos Audruck verliehen, ohne ihre Gedanken und Gefühle zu berücksichtigen. Wir haben sie gedemütigt und sie alleine gelassen. Wir waren Kinder, Kinder sind grausam – jetzt sind wir erwachsen und sollten um Verzeihung bitten!
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