Einem kranken Vierjährigen kann man im Prinzip kaum etwas abschlagen. Wie er da so matt liegt, die Augen glasig, die Wangen leicht gerötet, den Kopf so schwer, dass er ihn kaum heben kann - es bricht einem das Herz, das arme Kind!
”Mamaaaaa, ich hab Hunger!!”
“Was möchtest Du denn essen?”
“Ich möchte ein Brot mit Schokolade!” (volkstümlich Nutella)
“Ok, mach ich Dir!”
Minuten später
“Schau, hier ist Dein Brot, lass es Dir schmecken!”
Minuten später
“Mamaaa, ich hab Duhuuurst, ich will was trinken!!!”
“Ich bring Dir nen Tee, warte kurz!”
Das Kind mimt den sterbenden Schwan “Ist gut!”
Minuten später
“Hier ist Dein Tee! Magst Du Dein Brot nicht? Hast ja noch garnichts gegessen?”
Das Kind hebt schwerfällig den Blick und sagt mit augenscheinlich letzter Kraft
“Nee, ich hab doch keinen Hunger!”
“Ok, ich lass es Dir trotzdem mal hier stehen, vielleicht bekommst Du ja wieder Lust drauf”
Das Kind lächelt matt und wendet sich ab, um zu schlafen.
Minuten später
“Mammmmaaaaaaa, Mammmmaaaaa, Mammaaaaaa!!!!!”
Mir bleibt das Herz stehn, da muss was passiert sein
“Mammaaaa, (betont jede Silbe) ICH HAB SOOO HUNGA!!!!!”
Ich bin erleichtert und weise auf das Schokoladenbrot hin, das in unmittelbarer Nähe zu meinem Sohn liegt und darauf wartet, ihn vor dem Verhungern zu bewahren.
“Nee, ich will aber kein Schokoladenbrot, ich will ein Brot mit Honig!!” - sackt wieder ins Kissen zurück
Das Kind ist krank, es bekommt ein Honigbrot. Ich schneide sogar entgegen meiner sonstigen Überzeugung (das Kind hat Zähne zum Kauen) die Katen ab und fertige das Honigbrot in kleine mundgerechte Rauten. Froh, Gutes getan zu haben, gehe ich zurück zu meinem kleinen Jungen, streiche ihm über den Kopf und reiche ihm den Teller mit dem Honigbrot.
Er betrachtet es von allen Seiten, schaut mich entrüstet an, verzieht seinen Mund zu einer ungnädigen Grimasse und sagt:” das ess ich nicht, da ist noch ein Stück Kruste dran - ich will ein Schokoladenbrot!!!” (…)