Belle

Belle war anders. Irgendwie nicht wie die Kinder der Klasse.

Sie war laut, bewegte sich für ein Mädchen linkisch, nicht geschmeidig, wie ein Trampel. Belle war laut und vorlaut. Sie stellte Fragen, auf die die Klasse entweder kicherte, oder mit den Augen rollte, sich an den Kopf fasste und „ooooohhhh Gott!!“ raunte. Belle war intelligent und gut in der Schule, aber wem sollte das auffallen, denn für die Klasse hatte sie sowas wie den „Deppenstatus“ inne. Belle war nicht gekleidet wie die anderen, sie trug keine trendigen Frisuren. Belle konnte lustig sein, so dass man dachte, man würde sie mögen können. Und kaum hatte man zu Ende gedacht, war sie schon wieder so seltsam, dass man nicht wusste, was man mit ihr anfangen sollte. Belle war nicht angepasst, und dafür bekam sie ein langes Schulleben lang immer wieder verbale Prügel.

Aus der Sicht eines Erwachsenen hätte es vermutlich niemanden gewundert, wenn aus Belle ich weiss garnicht was geworden wäre, irgendetwas unspektakuläres, oder aber ein Wrack. Zurückgeblickt wäre es kein Wunder, wenn sie die Bösartigkeiten der anderen Kinder zu Grunde gerichtet hätten. Wenn sie ein Leben lang an sich zweifeln würde, stets schweigen würde und mit schweren Depressionen durch den Alltag wandeln müsste.

Ich habe sie gesehen und sie ist wun der schön – es ist wie dieses Märchen vom hässlichen Entlein – wenn sie je eines war, dann hat sie sich in einen stolzen Schwan verwandelt. Sie ist beruflich überaus erfolgreich und hat eine Lebensphilosophie gefunden, mit der sie dazu beitragen kann, dass es anderen Menschen besser geht, sie zu sich und inneren Frieden finden.

Wir anderen Kinder können dankbar sein, dass Belle so stark war, uns auszuhalten. Wir können froh sein, dass sie das Leben trotzdem so angenommen hat, sich allen Unannehmlichkeiten und uns gestellt hat. Wir haben nicht nachgedacht, wir haben unseren Gedanken und Gefühlen gnadenlos Audruck verliehen, ohne ihre Gedanken und Gefühle zu berücksichtigen. Wir haben sie gedemütigt und sie alleine gelassen. Wir waren Kinder, Kinder sind grausam – jetzt sind wir erwachsen und sollten um Verzeihung bitten!

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