Lange her

weihnachteneinsam

Jedes Jahr im Winter, wenn die Weihnachtszeit unaufhörlich näher kommt, stelle ich fest, dass ich im Laufe des älter werdens etwas unwiederbringliches verloren habe:      den Zauber von Weihnachten.

Heiligabend als Kind, wie war das schön. In der Küche wurde gekocht und gebacken, geschuftet und geschwitzt, die Wohnzimmertür war streng verriegelt, das Christkind sollte wohl bald kommen und man wollte es nicht bei seiner Arbeit stören.

Am nachmittag fuhr die ganze Familie in die Kirche, der Vater eher stillschweigend, der Familien –pflichtergeben, die Mutter fromm, die Kindlein voller Vorfreude, die Oma melancholisch, die Tante immer zu Scherzen aufgelegt.

An den Gottesdienst anschliessend, fröhliches „Hallo und frohe Weihnachten“ mit dem halben Ort – und zu guter Letzt der Gedanke an die, die nicht mehr bei uns waren. Ein Gang über den Friedhof, die Kerzchen an den Bäumchen auf den Gräbern angezündet, betretenes Schweigen, doch dann der Aufbruch nach Hause.

Warten, warten, warten, wann klingelt denn nun das Christkind?

Klingeling, Bescherung! Bescherung! Bescherung!

Nein, erstmal flöten und singen, Baum anschauen, Geschenke mit Blicken abtasten.

Jetzt Bescherung! Hat jeder sein Geschenk?

Irgendwann im Anschluss gab es dann Fondue, mit mindestens 10 selbstgemachten Saucen, 3 erlei Fleischsorten und allerhand Leckereien dazu. Oder Pute, aber an die erinnere ich mich nicht mehr so gut, wie an das andächtige, stundenlange Fondueritual.

Am morgen danach bin ich leise runter und habe im Schein unseres Tannenbaums mit meinen neuen Sachen gespielt, lange bevor jemand der anderen runterkam.

 

Wenn ich heute an Weihnachten denke, dann stehen mir jedes Mal die Tränen in den Augen und ich hoffe, dass die Zeit schnell vorbei geht.

Es sind die schlimmsten Tage im Jahr, die Tage, an denen ich jedes Jahr aufs Neue erfahre, dass meine Familie, oder das was von ihr übrig ist, sich einen feuchten Kehricht um mich und meine Kinder schert. Denn haben wir ein Leben lang vorgelebt bekommen, dass Weihnachten das Fest ist, bei dem die ganze Familie zusammenkommt, so verbringe ich Weihnachten immer alleine, will meinen ohne meinen ursprünglichen familiären Anhang. Denn der hockt lieber alleine auf dem Sofa, als zu uns zu kommen (nicht dass einer meint, wir würden je eingeladen..)

Zwei kleine Enkelkinder, Großneffen, eines davon groß genug, um Fragen zu stellen: warum mag denn die Oma nicht an Weihnachten bei uns sein? Mit wem feiert denn die Oma Weihnachten?

In diesem Jahr habe ich geantwortet:“ ich weiss es nicht, ich glaube mit ihrem Hund!“

Da hat mein Kind mich gefragt:“ ist sie lieber mit dem Hund zusammen, als mit uns?“

 

Ja, das ist eine berechtigte Frage..

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2 comments so far

  1. tyndra on

    jetzt mal ganz unchristlich: ist es nicht so viel schöner, als wenn deine mutter jährlich mit säuerlichem und vorwurfsvollem gesicht bei dir rumsitzt und dich dadurch noch viel mehr nervt?

    wir sind vor einigen jahren dazu übergegangen, alles scheinheilige zu entfernen und feiern seither nur mutter-vater-kind-kind, indem wir etwas gemeinsam machen, das uns allen spass macht. die kinder mögen das, und wir erst recht.

    [wenn man sich nämlich von den heile-welt-weihnachten befreien kann, die einem als kind immer vorgegaukelt wurden, ist der schmerz schnell verflogen. bei mir wars zumindest so]

  2. ichbinimmerich on

    Ich glaube, dass Du grundsätzlich Recht hast, mit der ganzen Familie zu feiern und dann eben auch Rücksicht auf jedes Bedürfnis zu nehmen, ist auf jeden Fall anstrengender, als wenn man es sich so macht, wie mans eben im kleinen Rahmen möchte. Trotzdem, die Zeit ist doch knapp bemessen, wer weiss, wie lange allen bleibt und mir ist es wichtig, für meine Kinder, gemeinsame Erinnerungen mit Oma etc. zu haben. Dass dort die eigenen kleinen Nicklichkeiten schwerer wiegen, als das Interesse an den Enkeln ist für mich unerklärbar.


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