Hommage

Da war er der Moment, auf den so viele warten, den so viele verklärten Blickes herbeiwünschen, mit dem man so viele Träume und Hoffnungen verbindet. Der Moment, der so viele Weichen stellen, manches beenden und so vieles beginnen lassen soll.

Der Moment, in dem ich in champagnerfarbene Seide und Spitze und Tüll gehüllt von meinem Vater in die Kirche galoppiert wurde. Er rannte und grinste, ich hing bleiern schwer, die Mundwinkel rechts und links nach oben festgetackert, an seinem Arm und versuchte dem rasanten Tempo Einhalt zu gebieten, um der Veranstaltung einen besonders würdevollen Auftakt zu geben – umsonst. Kaum die Kirche betreten, stand ich schon am Altar und es wurde ernst.

Etwa ebensoschnell, wie dieser prunkvolle Einmarsch, war das Ganze dann auch vorüber. Das GANZE, denn der Geehelichte zog es nach einer geradezu vernachlässigenswerten Zeit vor, das Leben wieder in seiner Gänze gänzlich alleine fortzuführen, zog aus und das war es.

Zerschlagen das Ideal, rosarotes Wölkchen aller in erwachsenen Frauen ruhenden kleinen, träumenden Mädchen. Innen hohl, zugeschnürt, sprachlos mit stummem Schrei in der Kehle. Ruhelos und trotzdem wie die Ruhe vor dem Sturm. Wie im Traum und dennoch brutal auf den Boden der Tatsachen zurück geholt.

Und da kam ER, und ich ging hin.

Ohne dass ich es ahnte wurde ER mein Held, mein Retter mit gezücktem Schwert auf galoppierendem Schimmel.

Ich stand da, inmitten von Tausenden und mir war, als würde jedes Lied, jeder Ton, jeder Satz, jedes Wort, jede Silbe,…, alles das nur für mich, für mein in Stücke gesprungenes Herz, meine todesmüde gequälte Seele dargeboten. Wie eine Brücke, ein Sog, von ihm zu mir.

Was immer aus ihm herauskam, wie Magie vermochte er zwar nur Quadratminiwinzimillimeter um Quadratminiwinzimillimeter, aber immerhin, ganz tief in mir etwas zu heilen, Ketten zu sprengen.

Ich stand, inmitten einer komplett verstummten, ehrfurchtsvoll lauschenden Menge, den starren Blick auf den Mann in Schwarz geheftet. Mit strömenden Salzregenaugen, Gänsehaut über jeder verfügbaren Pore, zum Himmel elektrisierten Haare und spürte das erste Mal seit Tagen, Wochen, Monaten, dass ich lebe.

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