Einem geschenkten Gaul…

Heute bin ich im SZ – Magazin über einen Artikel gestossen, der mich ein bisschen nachdenklich gemacht hat.

Er lautet „Die Gewissensfrage“  –  und es handelt sich dabei um die Frage, wenn man selbst immer und aus gutem Grund fair gehandelten Kaffee kauft, nun aber beim Einkaufen, oder wo auch immer ein Paket, herkömmlichen Kaffee geschenkt bekommt, den man aufgrund seiner Einstellung zum Fairtrade nur mit schlechtem Gewissen trinken könnte, was tut man damit?

Wirft man ihn weg, schenkt man ihn weiter, trinkt man ihn trotzdem, weil man kann ja nichts dafür, dass man ihn geschenkt bekommen hat???

Mir passiert ähnliches tatsächlich immer mal wieder. Ich bekomme ein kleines oder grosses Geschenk, vielleicht nur eine Aufmerksamkeit, aber es passt überhaupt nicht. Im ersten Moment bin ich häufig versucht, zu lächeln und mich über die Geste als solches zu freuen,  im zweiten Moment denke ich mir, das ist eigentlich unehrlich – aber was ist in diesem Fall das Bessere, oder geringere Übel, und für wen eigentlich?

Nehme ich Rücksicht auf die Gefühle meines Gegenübers, und somit das Präsent unkommentiert und dankend an – immerhin wie gesagt „die Geste“ und so – oder sage ich, dass ich

a) das Buch schon habe    

b) kein Marzipan mag  

etcetera?

Neulich habe ich von einer Frau, für die ich in den letzten Wochen und Monaten immer mal den ein oder anderen Dienst übernommen habe, eine grosse Packung „Bitterschokoladenpralinen“ bekommen. Ohne Zweifel, eine edle Packung, teilweise mit Marzipan gefüllt, aber auch mit Truffeln und was weiss ich.

Ohnehin esse ich nicht besonders gerne Schokolade (bis auf eine, die ich gerade dieser Tage in einer Confiserie gefunden habe, oh mein Gott, weisse Schokolade mit Kakaobohnensplittern – UNFASSBAR lecker!!!), bittere Schokolade esse ich NIE und Marzipan ekelt mich bereits, wenn ich daran denke. Jetzt hat diese Frau sich aber so gefreut, dass sie mir auch mal ein Geschenk machen konnte – was soll ich da tun? Ich habe die Packung angenommen und sie am Abend meinem Mann überreicht – und trotzdem war ich mir nicht ganz sicher, ob das so richtig war.

Man kann sich darüber natürlich auch einfach keine Gedanken machen, aber ich finde tatsächlich, dass dies ein nicht ganz leichtes Thema ist…

Und Sie so??

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5 comments so far

  1. Schussel on

    Ja, eine interessante Frage.
    Ich sag jetzt mal: beides. Ich gebe zu, ich bin so ein Trampeltier, das offen anspricht, wenn ich das Buch schon habe oder mit einem Geschenk nichts anfangen kann. Aber gleichzeitig freue ich mich auch, sichtbar, und vor allem ehrlich. Vielleicht nicht so sehr über das Geschenk, aber doch über die Tatsache, dass mir jemand etwas schenken wollte, sich etwas ausgedacht hat oder etwas besorgt hat, mir eine Freude machen wollte. Darüber kann ich mich sehr gut freuen, und das kriegt der Schenkende auch zu spüren/hören.

    Dass ich trotzdem anspreche, wenn ich ungeschickt beschenkt werde, ist wieder so ein „so handeln, wie ich selbst behandelt werden möchte“-Thema. Wenn ich mir überlege, ich würde jemandem über Jahre immer wieder mühevoll selbstgemachte Pralinen schenken (was ich tue) und dann nach ein paar Jahren erfahre, dass derjenige gar keine Schokolade mag, würde ich mir etwas veräppelt vorkommen und wirklich als erstes fragen: warum sagst Du denn nichts? Oder beim Buch – das kann ja fast immer problemlos umgetauscht werden. Wenn man so etwas anspricht, dann steigt außerdem die Chance, dass das nächste Geschenk passender ist und mehr Freude macht. Auf beiden Seiten.

  2. Manuela on

    Ich denke, es kommt darauf an, was geschenkt wurde und von wem das Geschenk ist.
    Erweise ich einem Kollegen einen Gefallen und der bedankt sich dafür mit etwas, das ich nicht gerne mag (Bitterschoki z.B.), lächele ich, freue mich (ehrlich!), dass ich etwas bekommen habe und gebe es unauffällig an jemanden weiter, der die Sache besser zu schätzen weiß als ich.
    Bei Freunden kommt es ja selten vor, dass einem was nicht gefällt, die kennen mich ja doch recht gut und wissen was ich mag.
    Und wenn sich jemand hinsetzt und ein Geschenk mit Liebe und Mühe selbst anfertigt, dann wird es natürlich extra gewürdigt.

  3. madameklutze on

    Das ist so eine Sache mit dem Fairtrade. Kann man sich wirklich immer sicher sein. Viel steht drauf, ist das aber auch wirklich drin. Teilweise kann man sich es auch gar nicht leisten!
    In vielen Sachen kann ich mein Leben auch nicht darauf einrichten. Bei einigen Sachen geht es.
    Du sprichst ein schweres Thema an, das ist genauso wie mit dem Stein, der in einen See geworfen wird und du beobachtest die Kreise, die sich von der Einwurfstelle entfernen.
    Sind wir bereit für Verzicht, können wir verzichten?
    Nur im Kleinen. Dies alles zu erörtern würde zu weit führen. In manchen Bereichen kann man bewußter entscheiden und dies auch an seine Kinder weitergeben und hoffen, dass alles etwas besser wird.
    Ein Geschenk zurück zu weisen, nur weil es nicht fairtrade sein könnte, ist fragwürdig.
    Ein Buch geschenkt zu bekommen welches man schon hat, ist gar nicht schlimm. Da denke ich, kann man ruhig sagen, dass man es schon hat. Man freut sich, denn wenn man es schon hat, dann hat ja der „Schenker“ den richtigen Geschmack getroffen und ist bestimmt nicht böse, wenn man nett fragt, ob die Möglichkeit des Umtausches besteht, ob er noch andere interessante Büchertipps hat.
    Bringen wir es mal auf einen kleinen Nenner:
    wurde das Geschenk mit Freude übergeben, darf man es auch ohne schlechtes Gewissen weiterreichen. Die Geste zählt.
    Und innerhalb von Freunden, würde ich wie Schussel empfinden, die Geste zählt, aber man kann schon dezent den Mund aufmachen und was klarstellen. Ich wäre auch nicht happy, wenn ich nach Jahren feststellen würde, dass ich mit meinen Geschenken absolut falsch liegen würde 😉

  4. ichbinimmerich on

    Naja – ich möchte es nicht zwingend am fairtrade Espresso festmachen, aber was den angeht muss ich schon sagen, dass ich mich wohler fühle, wenn ich 5,99 für das Paket zahle und weiss, dass die Arbeiter, die ihn gepflückt haben, anständig bezahlt wurden.
    Natürlich kann man nicht alles danach ausrichten, weil jeder unterschiedliche Grenzen hat – aber ich finde, es ist auch unsere Pflicht an die anderen zu denken und insofern ist es mir persönlich bei Kaffee immer wichtiger, dass es sich um fair gehandelten handelt.

  5. tyndra on

    also ich sehe bei solchen gelegenheiten keine wahrheits- und aufklärungspflicht. immerhin gehts ja darum, dass jemand sich mit einer kleinigkeit revanchieren möchte, oder eben zeigen will, dass nicht alles selbstverständlich ist, was mensch so gemacht hat.

    insofern respektiere ich die absicht dahinter und nehme das geschenk. lässt sich im zweifelsfall ja easy weiterschenken. meistens besteht ja auch nicht die gefahr, dass solche geschenke dann wöchentlich daherkommen, insofern ists eigentlich wurscht, ob die person weiß, welche schokolade mensch gerne isst oder so…

    [vllt. nehm ich da aber auch einfach den leichteren weg. ich hab aber keinerlei gewissenbisse deswegen *g*]


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