Tragisch…

Als ich heute morgen zum Brötchen holen gefahren bin, lief das Radio und nach einem Lied kamen die Regionalnachrichten. Gestern abend wurde ein Mann von zwei Jugendlichen in der S – Bahn totgeschlagen.

Zwei Jugendliche von 17 und 18 Jahren haben andere Mitfahrende Jugendliche angepöbelt, versucht Geld zu erpressen und angedroht, sie  zu verprügeln für den Fall, dass sie kein Geld rausrücken würden.

Der Mann hat sich schützend vor die bedrohten Jungs gestellt und die zwei anderen sind ausgerastet und haben ihn zu zweit so lange verprügelt und getreten, bis er tot war. Der Rettungswagen kam zu spät.

 

Als ich das gehört habe, hatte ich Tränen in den Augen. Dieser grossartige Mann. Hat zwei Kids das Leben gerettet – denn wer weiss, was sie mit denen gemacht hätten – und wurde selbst zum Opfer.

Mein nächster Gedanke war, wie sind diese zwei Jungs so wütend geworden? Was ist in deren Leben passiert, dass sie so gewaltbereit, so völlig ohne Barriere losschlagen, zu zweit auf einen, den Tod eines Menschen in Kauf nehmend?

Haben sie die Tragweite ihres Handelns verstanden und billigend in Kauf genommen?

War es wirklich der Mann, auf den sie eingeschlagen haben, oder stand der nur stellvertretend für einen trinkenden Vater, eine lieblose Mutter, misshandelnden Stiefvater, gestorbene Mutter, prügelnde Großeltern…?? Haben sie irgendwelche, Hemmungen herabsetzende, Ballerspiele gespielt?

Hatten sie am Ende ein behütendes, liebevolles Elternhaus und in jeder Hinsicht alles, was sie brauchten? Kann aus jedem unserer liebevoll betreuten, geherzten, umsorgten, respektierten und innigst geliebten Kinder ein Totschläger werden?

Hinterlässt der Mann Frau und Familie, die ihn betrauern?

Wird diese Situation dazu beitragen, dass es immer weniger Menschen gibt, die in kritische Situationen eingreifen und Zivilcourage beweisen?

Ich wünschte ich könnte derlei Schicksal für mich ausblenden, aber ich finde es tragisch, frage mich, wie es immer wieder zu solchen Situationen kommen kann und wünschte, man könnte etwas dagegen tun.

 

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13 comments so far

  1. dorosgedankenduene on

    So etwas zu hören oder zu lesen macht wütend, traurig und ist entsetzlich. Was ich ganz schlimm darin finde, wird man erst in ein paar MOnaten oder noch später vielleicht erfahren, nämlich dann, wenn unsere ach so tolle Justiz über diese beiden das Urteil fällt. Dann heißt es wieder mildernde Umstände weil sie ein schlechtes Elternhaus hatten oder weil sie unter Drogen oder Alkohol standen und natürlich weil man ihnen durch einen langen Gefängnisaufenthalt ja nicht das gnaze Leben verbauen kann. Wenn ich sowas in der Zeitung lese oder im Fernsehen sehe, könnte ich das K…… kriegen.
    Keiner redet von dem Mann der sein Leben lassen mußte, der wie du schreibst vielleicht Familie hatte.
    Das ist einer der Gründe warum man in der Großstadt (da wohne ich und bin ich auch geboren) abends und manchmal auch tagsüber schon Angst haben muß mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. Leider!

  2. Schussel on

    Ja, es ist wirklich schlimm, sowas immer wieder zu hören.
    Wie man das verhindern kann? Schwer zu sagen.
    Ich persönlich glaube ja sehr daran, dass Gewalt wieder Gewalt erzeugt. Aber nicht nur körperliche Gewalt (die natürlich auch), sondern auch seelische Gewalt. Kinder, die von ihren Eltern nicht respektiert werden, oder nicht beachtet werden, oder doch ganz klassisch mit Ohrfeigen „erzogen“ werden, oder gedemütigt werden, oder ausgelacht werden… ich glaube, dass sowas Aggressivität fördert. Erzeugt. Und da gehört auch so manches scheinbar „gute“ Elternhaus dazu. Gedemütigt wird nicht nur in der sogenannten Unterschicht.

    Und deshalb glaube ich, dass wir nur dafür sorgen können, dass möglichst viele Kinder nicht so aufwachsen. Dass sie lernen, dass sie etwas wert sind, sich nicht mit Aggressionen behaupten müssen, dass andere Menschen ebenfalls etwas wert sind. Wie Du schon sagst, mit viel Liebe. Und mit guten Vorbildern.

  3. Muriel on

    Ein sehr nachdenklicher Beitrag mit klugen Fragen. Trotzdem kann ich mir eine kritische Bemerkung nicht verkneifen: Die Ballerspiele passen hier meiner Meinung nach ungefähr genausogut hin, wie die Frage, ob die beiden vielleicht Schach gespielt oder Krieg und Frieden gelesen haben. (Nein, ich spiele selbst keine. Trotzdem kann ich es manchmal einfach nicht mehr hören.)
    @dorosgedankenduene: Die Argumentation ist verständlich, aber trotzdem meiner Meinung nach nicht ganz in Ordnung. Ein Richter, der sich Tage, Wochen und Monate mit einem Fall befasst und die Argumente der Anklage wie auch der Verteidigung gehört hat, wird in der Regel zu einem verständigeren Urteil kommen als wir nach fünf Minuten Zeitungslektüre. Außerdem denke ich, dass sich sowieso niemand hier der Illusion hingibt, die beiden jungen Leute hätten sich von ihrer Tat abhalten lassen, wenn sie mit einem etwas höheren Strafmaß gerechnet hätten.

  4. ichbinimmerich on

    Muriel – warum findest Du, passt das nicht?

    Ich habe mal eine Studie gesehen, in der es darum ging, dass US Soldaten mit Ballerspielen für den ersten Irak – Krieg scharf gemacht, bzw. trainiert wurden. Sie wurden vor diese Spiele gesetzt, weil es so IST, dass man durch das permanente Ballern auf lebensechte Animationen eine geringere Hemmschwelle aufbaut, echte Menschen abzuknallen.

  5. Muriel on

    @ichbinimmerich: Ich finde, dass es nicht passt, weil es eben – soweit ich weiß – keine einzige Studie gibt, die einen Zusammenhang zwischen Videospielen und realer Gewalt belegt. Auch wenn du’s groß schreibst, bleibt deine Überzeugung, dass es doch so ist, aus meiner Sicht ziemlich unfundiert.
    Solltest du dich näher für das Thema interessieren, kann ich dir diese Seite wärmstens an’s Herz legen.
    Sollte dir dafür (verständlicherweise) Zeit oder Interesse fehlen, bleibt mir nur zu sagen, dass US-Soldaten zwar tatsächlich mit Videospielen trainieren, allerdings trainieren sie dabei nicht das Töten, was auch eher unsinnig wäre, auch wenn ahnungslose Medien und Politiker es noch so oft wiederholen, sondern sie trainieren Taktik und Teamwork.
    Darüber hinaus gibt es Simulatoren für Schießübungen, die funktionieren aber ganz anders als jedes kommerzielle Spiel und haben auch wieder nichts mit dem Abbau irgendwelcher Hemmungen zu tun, sondern mit Zielgenauigkeit.

  6. ichbinimmerich on

    Danke Dir für den Link, ich werde mich da sicher mal noch einlesen.
    Ich kann Dir garnicht sagen, ob ich meine Meinung zu dieser Form von Spielen dann trotzdem ändern würde – auch ohne Beleg erscheint es mir so völlig unfassbar, dass man bei einem Spiel, das doch lustig sein und Spass machen soll, jemanden umbringt – verstehst Du, was ich meine??

    LG

  7. Muriel on

    Ich verstehe, was du meinst, aber ich stimme trotzdem nicht zu. Da kommen wir wieder auf meinen Vergleich: Beim Schach bringt man auch simuliert Leute um, und ich Krieg und Frieden sterben sie wie die Fliegen, und beim Wasserpistole-Spielen erschießt man seine besten Freunde in einer grafischen Darstellung, von denen auch Hochleistungsrechner nur träumen können. Natürlich ist das alles was anderes, aber genauso, wie man hier differenzieren muss, muss man auch bei den so genannten Ballerspielen differenzieren.
    Das vielzitierte CounterStrike zum Beispiel hate keine Blutdarstellung, keine gewalttätigen Details und aus meiner Sicht wirklich keine winzige Einzelheit, die Gewalt realistischer simulieren würde als etwa eine Wasserpistole.
    Was ich damit sagen will: Wer bloß meint, wenn es um’s Töten geht, ist das Spiel gefährlich, der macht es sich viel zu leicht. Bei Mensch-ärgere-dich-nicht werden auch andere Spielfiguren rausgeschmissen.

  8. ichbinimmerich on

    Ich ziehe mich jetzt zur Beratung zurück 😉 Danke für den Denkanstoss!

  9. Muriel on

    Gerne. Ich hoffe, ich bin nicht zu großspurig aufgetreten. Bei Themen, über die ich mich oft ärgere, versagt manchmal mein Arroganz-Regulierer, und dann rede ich, als hätte ich die Weisheit gepachtet. War nicht so gemeint, habe ich nämlich natürlich nicht.
    Danke für das freundliche Gespräch!

  10. ichbinimmerich on

    Nein, das finde ich überhaupt nicht – ich bin nur wirklich überrascht, denn von dieser Seite habe ich es noch nie betrachtet und kenne auch niemanden, der es tut. Aber wie gesagt, jetzt muss ich mal drüber nachdenken!
    Liebe Grüsse

  11. sorgenlos on

    Hallo,
    es ist schrecklich, was da immer wieder passiert. Aber auch ich bin der Meinung, das Spiele dafür kein Auslöser sind. Jugendliche mit Neigung zur Gewalt mögen zwar einen Hang zu gewaltvollen Spielen haben, aber umgekehrt wird keines dieser Spiele aus „normalen“ stabilen Menschen einen Gewalttäter machen. Dann wär ich auch einer geworden, denn was ich so gespielt habe und spiele- dabei bin ich wohl einer der harmlosesten Menschen, dies gibt *g*
    Ichbinimmerich, übrigens hoffe ich, dass Du mich wiedererkennst *zwinker* ich hab jetzt auch wieder einen Blog und Dich gleich wieder verlinkt. Alles liebe Petra

  12. ichbinimmerich on

    Auch auf die Gefahr hin, dass Ihr mich jetzt tuppert – meine Kinder dürfen weder mit Wasserpistolen noch mit Faschingspistolen, -Gewehren oder ähnlichem spielen.
    Ich kanns nicht ändern, ich finde auf jemanden zu schiessen einfach nicht spassig!

    • Schussel on

      Das finde ich genau richtig so. Ich bin auch so groß geworden und halte es genau wie Du auch heute noch für falsch, daraus ein „Spiel“ zu machen. Ganz unabhängig davon, ob es desensibilisiert oder wieder zu Gewalt verleitet oder sonstwas. Wenn einer von uns so etwas spielen wollte, „schießen“ spielen (auch mit einfachen Ästen oder so), dann wurden wir von unserem Vater gefragt: was ist daran denn das tolle? Und warum ist das lustig? Das hat uns dann schon als Kinder nachdenklich gemacht. Und ist offenbar geblieben.


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