Turbulenzen!!

Die Taschen für das Bauernhofwochenende mit dem neuen Kindergarten standen gepackt neben den Taschen und Koffern für unsere grosse Reise. Freitag bis Sonntag  Bauernhof, Montag Flug – ois isi.

Es ist Freitagnachmittag 17.00 Uhr, im Grunde fahren wir gerade los, auf einmal kleppert und kracht es, kurz darauf ein Schrei und noch einer und noch einer.  Nicht mehr endenwollend.

Ich renne und finde mein Kind unter einer Kommode liegend.  „Raufklettert“ höre ich zwischen Wehgeklage und Krokodilstränen. Eine Gesichtshälfte schwillt an, ich schwanke zwischen Besorgnis und Verzweiflung (das Kind, ohje, ist da was Schlimmeres passiert???, das Wochenende, der Bauernhof, die Reise, mein Papa,….).

Ein Anruf bei der Kinderärztin und schon sind wir auf dem Weg ins Krankenhaus. Gott sei Dank bestätigt sich keine unserer Befürchtungen und so treffen wir am späten Abend doch noch auf dem Bauernhof ein.

Der Abend verläuft sehr nett, wir sind froh, um die neue Kindergartengemeinschaft und freuen uns, ein Teil davon zu sein. Am nächsten Tag das Frühstück verläuft harmonisch, die Kinder können es kaum aushalten nach draussen zu kommen, und den Bauernhof von vorne bis hinten zu erkunden.

Mittags bereiten wir gemeinsam das Essen für das grosse Grillfest zu.

Plötzlich kommt mein Grosser mit albinoroten Augen auf mich zu gelaufen, reibt sich immer weiter und jammert verzweifelt vor sich hin. Wir gehen aufs Zimmer, er atmet schwer und ich verabreiche ihm einen Hub seines Inhalats. Nur wenige Minuten später schwillt sein Gesicht an und wir geben ihm ein Kortisonzäpfchen – zeitgleich ruft die Kindergartenleiterin den Rettungswagen…

Ich finde mich innerhalb von 24 Stunden schon zum zweiten Mal in einer Notaufnahme wieder – irgendwie stimmt hier doch was nicht. Wir müssen über Nacht zur Kontrolle bleiben,  um sicher zu gehen, dass die Schwellung und Atemnot nicht zurückkehrt…

Eine Reise in ein Land ohne vergleichbare medizinische Notversorgung – mit einem Kind, das aus dem Stehgreif gegen unbekannte Stoffe lebensbedrohlich allergisch reagiert.

Irgendwie alles nicht so wirklich gut getimed gewesen – und für mich Flugängstliche war auch gleich die Frage im Raum gestanden, ob die beiden „Unfälle“ vielleicht ein Zeichen waren, nicht fliegen zu sollen…

Der erste Familienurlaub seit langem und vor allem, das erste Wiedersehen mit meinem Papa seit  3 1/2 Jahren – was tun??? Vor allem deshalb, weil auch mein Vater im fernen Land Tiere in einem bauernhofähnlichen Umfeld lebt, was die Situation und Entscheidung umso schwerer gemacht hat.

Andererseits, würde das Kind nicht die Schuld auf sich lasten, wenn wir nicht flögen?

Wir sind geflogen, im Hotel und nicht in Vaters ländlichem Idyll untergekommen und nach einer wunderbaren Zeit froh, das alles gut gegangen ist.

Die Angst vor dem unvorhergesehenen Notfall ist generell aber gestiegen – die Sorge und Verzweiflung, dass (m)ein so kleines Kind schon so oft mit so existentiellen Nöten konfrontiert wurde, schnürt mir ab und an ein wenig die Luft ab…

Alles in allem war es eine turbulente Zeit, und umso besser hat es uns allen getan, dort so fernab, den ein oder anderen Gang runter zu fahren – hoffentlich können wir das noch lange beibehalten…

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