Archive for the ‘Hrrmmpf’ Category

Wer zieht die Strippen?!

Ist da jemand, der die Fäden zieht?
Macht der uns krank oder gesund, sorgt der dafür, dass wir schwul sind oder nicht, dunkel oder hell, gross oder klein, geliebt oder verstossen, beliebt oder belächelt, schön oder hässlich, stark oder schwach, in Armut oder Reichtum geboren, dass wir leiden oder lachen, leben oder sterben?
Muss das so sein, damit wir die Menschen sein können, die wir sein sollen, damit wir den Platz erfüllen, der für uns gedacht ist?
Ist unser Buch geschrieben oder passieren diese völlig wahnsinnigen Dinge ohne Zusammenhang, selbst wenn es so aussieht?
Wenn der Tag zum Sterben gekommen ist, macht es dann einen Unterschied, ob ich ins Flugzeug steige, oder auf meiner Couch sitze? Wird es passieren?
Musste ich die Menschen treffen, die mir nicht gut getan haben, hat das so sein sollen? Und die, die mir so gut tun? Wurden mir die Begegnungen mit ihnen geschenkt, um mich davor zu bewahren, mich in der Trauer um die „schlechten“ zu verlieren?

Was kann die Antwort sein auf: warum musstest Du gehen? Warum musste Dich mir, uns allen jemand wegnehmen? Warum durftest Du nicht noch leben, jetzt, wo Du begonnen hattest, das Leben zu geniessen? Da war noch so viel Zeit.
Manchmal zerreisst es mich und dann sind das die Momente, in denen ich Dich angerufen habe, mich in Deinen Arm, in Deine Kraft, Deinen Mut, Deine Zuversicht, Deine Klugheit und Vernunft, Deine Wut, Deine Empörung, Deine Freude, Deine Trauer gestürzt habe und dann alles besser tragen konnte.
Musstest Du gehen, damit ich erwachsen werde?

So wurde mir gesagt. Das ist mehr, als ich tragen kann!

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Und dann…

…lähmt mich die Angst:
Wer wird mir als nächstes entrissen?
Wer muss als nächstes gehen?
Wen werde ich als nächstes ziehen lassen müssen?

Ich traue mich kaum zu atmen, als ob das die nächste Katastrophe auslösen könnte. Mehr kann ich gerade nicht ertragen aber ich spüre, wie ich parallel zu dieser Erkenntnis eine völlig irrationale Panik entwickle, dass dies nun der Startschuss war, dass ich alleine bleibe, dass alle, die ich liebe und die mich lieben von mir gehen – oder schlimmer, dass auch mich ein solcher Sekundentod ereilt und ich alle die ich liebe und die mich lieben zurücklassen werde.
Von einem Extrem ins andere;

Man lebt so vor sich hin, Schlimmes passiert den anderen, Krankeiten, Tod = ausgeblendet.

Und jetzt mitten drin.

In Nordafrika hat es mich in den Wahnsinn getrieben, dass alle Menschen, die zum Kondolieren kamen, gesagt haben „ooh, das tut uns so leid!! ohh, er war so ein guter Mensch!!! oooh, wir sind so traurig!!! …..

… ABER SO IST DAS LEBEN!!!“

Beim ersten, der das gesagt hat, dachte ich noch, das sei eine Eigenart von dieser Person und habe Aussden Folgesatz ignoriert. Beim zweiten fand ich es dann doch deutlich befremdlich, und als es dann immer so wieder ging, und es bis auf einen einzigen jungen Mann ALLE gesagt hatten, wollte ich am liebsten nichts mehr hören.
ABER SO IST DAS LEBEN!

Natürlich ist so das Leben, natürlich weiss das jeder, natürlich leben wir, um irgendwann zu sterben, aber muss einem das gesagt werden, unmittelbar nachdem man erfahren hat, dass das auch für das allernächste Umfeld gilt?

Alle sagen:“das braucht Zeit“ und „die Zeit heilt…“ aber für mich ist genau D A S das Problem. Die Zeit.
So viele Jahre soll ich nun ohne seinen Rat, ohne seine Spässe, ohne seine Liebe, sein ehrliches Interesse, seine mentale Unterstützung in jeder erdenklichen Lebenslage auskommen?
Heute vielleicht, gestern ja, morgen auch – aber dann, jeden weiteren Tag auch?
J E D E N W E I T E R E N T A G ??!!!???
Wie soll das gehen?

Unmöglich

Da sitze ich, schaue das Foto von vor gerade mal 5 Monaten an, das erste seit 30 Jahren, auf dem wir beide gemeinsam in die Kamera lächeln, strahlen, Seite an Seite. Fotos, die gemacht werden MUSSTEN, ich hatte einen regelrechten Drang, Fotos von Papa mit den Kindern, Fotos von Papa mit mir, Fotos von Papa mit seiner Frau, Fotos von Papa alleine – als hätte ich es geahnt, und dabei bin ich sicher, ich hätte so etwas grausames, fürchterliches und kaum auszuhaltendes niemals ahnen können…

Sinnfrage

Ich wünschte, ich könnte anders damit umgehen, stark sein, die Trauer annehmen, das Leben dennoch bejahen, Kraft und Freude durch und für meine Kinder hervorzaubern – und diese Zeit in dem Bewusstsein durchstehen, dass es irgendwann besser werden wird, werden muss.

Es scheint mir so unmöglich damit umgehen zu lernen, so undenkbar, jemals in Frieden damit leben zu können, dass er nicht mehr da ist. Mein Held, mein Ratgeber, meine erste grosse Liebe, warmherzig, kämpferisch, wohlwollend, stets hilfsbereit, immer fair und ehrlich – das Vertrauen, mein Vertrauen hat er nie enttäuscht, hat mir als Einziger immer das Gefühl gegeben, dass es ok ist, was ich mache, dass er darauf vertraut, dass ich den richtigen Weg für mich finden werde – hat nie den Finger in die Wunde gelegt, wenn das, was ich mir habe einfallen lassen, mal nicht gut gelaufen ist.

Da sind so viele Gefühle, und ich kann sie nicht in Worte fassen. In blindem Aktionismus und unter Aufbietung aller Kräfte kann ich minutenweise abschalten, das Grauen nicht so sehr an mich heranlassen – dann denke ich wieder, es platzt mir gleich der Schädel, als würde ich verrückt, als könnte mein Kopf nichts von dem fassen, ertragen, womit ich von nun an lernen soll zu leben.
Er fehlt mir so.unendlich.sehr.

Ich wünschte, es wäre noch mehr unser…

Den Weg, den Du vor Dir hast,
kennt keiner.
Nie ist ihn einer so gegangen,
wie Du ihn gehen wirst.
Es ist Dein Weg.

Papi

Mein lieber lieber geliebter Papi,

Du hast immer gedacht, mit Deinem Weggang aus Deutschland hätten sich auch Deine Bande hier her gelöst. Dass keiner mehr an Dich denken würde – und Du warst so enttäuscht von Deinen sogenannten Freunden, so hast Du gesagt.
Papi, ich habe mit allen gesprochen, weisst Du, Du hast Dich geirrt. Sie sind alle so traurig. Sie haben alle gerade bitterlich geweint. Keiner, der nicht aus tiefstem Herzen betroffen ist – keiner, der noch Worte gefunden hätte, um auszudrücken wie unfair das Leben ist, und wie unendlich traurig, dass Du – obwohl so weit weg, aus unserer Mitte gerissen wurdest.

Meine Verzweiflung kann ich nicht in Worte fassen – „nie mehr“ ist so verdammt viel.

Ich hab Dich unendlich lieb und somit jeden Tag der noch kommt immer weiter und für immer – das ist auch verdammt viel!

Wegen Krankheit

bis auf weiteres leider geschlossen


Sozialrecht pauken…

…gehört irgendwie gerade nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen – Mann Mann Mann, warum geht das denn nicht da rein, wos rein soll???

Alle Jahre wieder

Während die einen sich auf den ersten Glühwein stürzen, ihre erfrorenen Hände an heisse Tassen klammern, sich dichtgedrängt mit heissen Wangen und kalten Nasen zwischen Kitschbuden quetschen – oder andere stillvergnügt nach Geschenken, Plätzchenförmchen, neuen schönen Christbaumkugeln und Kerzenschein mit Tannengrün lechzen, sitze ich schockerstarrt und hoffe, dass diese Zeit möglichst schnell und schmerzlos an mir vorüberzieht.

Rein äusserlich ist auch hier Weihnachten, wir backen Plätzchen, schmettern die Klassiker zur Weihnachtszeit, kruschteln heimlich vor uns hin. Engelchen befüllen Adventskalender liebevoll mit allerlei Kleinigkeiten, der selbstgebundene und geschmückte Adventskranz schimmert gold und rot und thront stolz über dem Küchentisch.

Und doch, so sehr ich den Zauber für meine Kinder aufleben lasse, so wenig erreicht er mich selbst.

Meine Schwester mochte früher dieses Lied besonders gerne, sie hat es immer vor sich hingesummt und gesungen – die Erinnerung daran gibt mir eine ganz ganz vage Ahnung, von wie es sich angefühlt hat, sich auf Weihnachten und das Christkind zu freuen,…daher:

hier Klutze für Dich

Die Tage bin ich um 05.30 Uhr völlig komatös ins Bad getorkelt, unter die Dusche und habe versucht, langsam und in Ruhe wach zu werden. Wenn ich das so mache und es ist dermassen früh am morgen, kann ich es nicht ertragen, wenn das Licht an ist, ich muss mich stückweise an den Tag herantasten.

Ich stehe also, das Gesicht der Dusche entgegen gestreckt, geniesse das heisse Wasser, das auf mich niederprasselt und möchte eigentlich am liebsten so im Stehen weiterschlafen.

Da stürmt mein Mann ins Bad, reisst an der Leine, die mit unserem Lichtschalter verbunden ist – das Licht geht an, brrrr, hell, grell, ich muss meinem Unwillen Luft machen, werfe noch einen Blick nach oben, eigentlich ohne Sinn, Zweck und Ziel und just in diesem Moment bin ich wirklich wach!!!

Unmittelbar über mir, keine 20 cm über meinem Kopf, an der Wand hängt eine, geschätzt 10 cm grosse Spinne!!!

Ich bin schockerstarrt, kann aber auch nicht aufhören zu duschen, schon beim Gedanken daran fröstelt es mich. Ich biege meinen Oberkörper nach hinten, der Duschvorhang klebt an mir, ich falle fast aus der Badewanne raus, aber die Spinne versucht immer wieder an der Wand nach oben zu klettern, rutscht seltsamer Weise aus, kommt nicht weiter, und hängt nach jedem Versuch ein bisschen näher an mir dran.

Irgendwann war mir dann auch das heisse Wasser egal – ich bin raus aus der Dusche und völlig unentspannt in den Tag gestartet.

Naja, aber das eben nur so am Rande…